Sensler Museum Tafers, Kirchweg 2, 1712 Tafers
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SENSLER WORT DES MONATS

Senslerdeutsch ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil der Sensler Kultur. Christian Schmutz, Autor des Senslerdeutschen Wörterbuchs und «Slämsler» (macht sensler-deutsche Poetry-Slam-Texte) präsentiert jeden Monat ein Wort / eine Wendung mit einer schrägen Geschichte.

Juli 2010:
A Läckmer-Schutt:
Die Fussball-WM verdrängt alles andere - drum dreht sich auch das Wort des Monats um dieses Ereignis. Schutte kommt wie viele Begriffe der Fussballersprache aus dem Englischen, shoot heisst "schiessen". Darum ruft der eine Fussballer dem anderen "schiess!", ohne dass dieser eine Pistole mit auf den Platz genommen hat. Und dann drückt dieser tatsächlich ab - a jùschta Hammer, a Strich, a Bùmba, a Peescha. Das braucht es, um ein Tor zu erzielen. Nicht nur so ein halbbatziger Läckmer-Schutt, a Füdletrick, a telefonierta Pass oder as Tünel zwüsche de Hoseträäger dedüür... Am besten gefällt mir da der Läckmer-Schutt. Wenn der einem Fussballer vorgeworfen wird, ist der Spieler so unmotiviert, er wäre am besten gleich in der Buvette geblieben.

Juni 2010:
Kein Akkusativ?
Nicht die typischen Wörter wie "Fageta, Pärisou, Nüüscha, etc.", sorgen dafür, dass uns sogleich auffällt, wenn jemand Senslerdeutsch spricht. Die Lautung und Betonung sind wichtiger, zum Teil auch der Bau der Wörter und der Sätze. Derartige Besonderheiten sind oft stabiler als der Wortschatz. Sie halten den Dialekt am Leben. Dazu ein auffälliges Beispiel: "I schlee, kene oder gübe <dier/mier>". Bei solchen Formen heisst es gern: "Die Sensler haben keinen Akkusativ (Wen-Fall)." - Settiga Seich! Es ist nur so, dass im Senseland bei "ich" und "du" (1./2. Pers. Singular und nur hier) die Formen für Akkusativ und Dativ zusammengefallen sind - genau wie bei den Berlinern im 18./19. Jahrhundert. Warum wir das tun, kann man heute aber nicht mehr sagen.

Mai 2010:
Meiesinge:
Es ist nur ein Gerücht, dass die Blumen - "d'Meie" auf Senslerdeutsch - besser spriessen, wenn man sie besingt. Nein, Meiesinge heisst nicht, dass man zu Blumen singt, sondern es ist ein alter Sensler Heischebrauch der Kinder, früher auch der ledigen Männer und Frauen. Sie gehen am 1. Mai von Tür zu Tür und singen den Leuten meist Mai- und Frühlingslieder vor. Dafür gab es früher oft Eier, Dörrbirnen oder Gebäck, heute vor allem Geld. Viele sagen, dass die Liederauswahl und Singqualität der heutigen Kinder schlecht geworden sei, aber es hat wohl zu allen Zeiten bessere und weniger gute Sänger gegeben. Ende des 19. Jahrhunderts nannte man den Brauch spöttisch "Maiheulen" oder "Maibrüllen" und wollte ihn gar verbieten.

April 2010:
Ggana:
Die diesjährigen Halbfinals der Eishockey-Playoffs laufen schon wieder seit einer Woche - nur leider ohne Gottéron. Die Eishockey-Sprache, die sonst überall im Freiburgerland zu hören war, ist abrupt verstummt. Kein hungriger Torhüter knabbert mehr an seinem "Byssguyy" und es gibt kein "Icing" mehr auf den "Terrassen". Niemand geht mehr "ga zybysle, ga schlyyfschuene, ga patiniere" oder - wie heute meistens von Bern importiert - "ga schlööfle". Keiner kurvt mehr herum mit der "Ggana i de Hann". Die "Ggana", die kommt nun aber von französisch <la canne> (anders als "kane" im März), und hebt sich von "Stock" oder "Schläger" in anderen Dialekten eindeutig ab. Da ist Gottéron ein Ebenbild der sprachlichen Mischung in Freiburg.

März 2010:
kane:
Die Sensler kennen "kane". Es heisst <(sich) bereit machen>. Da die Herkunft aber nicht einfach auf der Hand liegt, gibt es wunderbar phantasievolle Herleitungen. "kane" komme z. B. von frz. "la canne" <der Stock>. Früher sei ein Mann erst mit Hut und Stock abmarschbereit, eben "kanet" gewesen. Eine andere Geschichte geht von den Milchkannen aus. Erst wenn diese in den Kannen gewesen sei, eben "kanet" dann sei sie auch ablieferbereit gewesen. Da ist es schon fast schade, dass die Wahrheit viel langweiliger ist: "kane" kommt von Mittelhochdeutsch "gehanden, gehanen" <zur Hand sein; bereit sein> und hat es damals weit herum gegeben. "gehane" wurde dann bei uns zu "kane" abgeschliffen. Aber wenigstens reflexiv, also "sich/isi kane", gibt es das Wort nur bei uns.

Februar 2010:
Nüüscha:
Winterzeit ist oft auch «Schnupfenzeit». Da sprechen die Sensler von der Nüüscha, mit offenem ü wie bei Tüsch. D Nüüscha ist «der Schnupfen» und dabei fühlt man sich gern mal tschuppet «kränklich, mitgenommen». Die Form Nüüscha gibt es nur im Senseland - in Gurmels ist es ganz ähnlich: d Nöischa oder d Neischa. Die Begriffe kommen wohl vom Greyerzer Patois, wo der Schnupfen nihya hiess. In anderen Schweizer Dialekten spricht man von Pfnüsel, Rüüme, Schnoderi, Chnisel, etc. Eine Nüüscha ist immerhin weniger schlimm als eine Grippe. Influenza heisst diese in der Fachsprache. Das Wort haben Sensler - aus Spass oder Missverständnis - gern auch in Fulenza umgewandelt. Krank sein stand für arbeitsame Sensler einfach nicht zur Debatte.