DE SEISLER DIALÄKT
...iinzigartig ù charakteristisch...
SENSLERDEUTSCHES WORT DES MONATS
Senslerdeutsche Sprüche, Redewendungen, Begriffe und Worte. Monatlich erklärt von Christian Schmutz. Dialektologe, Co-Autor des Senslerdeutschen Wörterbuchs, Schnabelweidredaktor.
Juni 2026
toole
«I ha scho ging maau Hose wöle, aber d Mama toolet daas niit.» Ein Satz aus dem Stück «Va vorgeschter bis namoor», das aktuell von Theater Hintercher in der Eishalle Düdingen aufgeführt wird. Die erste Episode spielt um 1940, als noch undenkbar war, dass Mädchen Hosen trugen. Das Wort toole entspricht hochdeutsch dulden, beide gehen auf Althochdeutsch dolēn «leiden, ertragen» zurück, dulden hat dann von Nomen wie das Dulden, die Geduld das -d- behalten. Die bis heute gebliebene Bedeutung von toolelautet «tolerieren, erlauben». dole, tole, toole gab es bis vor hundert Jahren in vielen Regionen der Deutschschweiz. Walter Henzen gab in seiner Grammatik des Senslerdeutschen 1927 an, das Wort sei ausgestorben. (!) So viel zur Voraussage, ob und wann Wörter wirklich aussterben…
Mai 2026
Pögget ù Panzer
Zwischen Gottéron-Meistertitel und WM in Zürich/Freiburg muss das Wort des Monats von Eishockey handeln. Was prägt Freiburger Hockeydeutsch (Ggana, Schläpper, Byssguyy, Galterental wurden bereits einmal erläutert)? Ex-Spieler Mario Rottaris hebt den Schulterschutz in der Eishockeyausrüstung hervor, auf Berndeutsch dr Ächseler, Französisch le plâtre. Dazwischen sagen die Sensler Panzer und Welschstädter le Panzrr. Brustpanzer gibt es auch als seltene hochsprachliche Alternative, wohl von der Torhüter- auf die Spielerausrüstung übertragen. Eishockeysprache nistet sich auch in unserem Alltag ein: Da han i gaar nüüt pögget, sagte kürzlich eine Kollegin. Sie hat nichts begriffen, gecheckt; naachoo oder styge wären ältere Sensler Alternativen. Freiburger und Berner pögge hat sich wohl über den Ausruf gseesch de Pögg oder tscheggsch dr Pögg entwickelt.
April 2026
ggygge
Senslerdeutsch ggygge heisst «kreischen von Mensch und Tier; quietschen von Türen; knirschen unter den Füssen». Ggygge ist lautlich klar unterschieden von gyge «geigen; musizieren; harmonieren». Damit man weiss, um welches Wort es sich handelt, lohnt sich die klar unterschiedliche Schreibung: ggygge vs. gyge. Beide gehen auf Mittelhochdeutsch gîgen, gigzen zurück. Mit gyy-/gygs zeichnen wir den schrillen, hohen Laut nach. Dieser wurde auf die Fiedel und andere Instrumente übertragen wie eben auch auf Quietschgeräusche von Menschen, Tieren, Gegenständen. Die Sensler wollten dies offenbar unterscheiden: gyge für «geigen» gegen ggygge für «schrill tönen». Und sie konnten das einzigartige ggygge noch mit weiteren Unterbedeutungen füttern, wie wir einleitend gesehen haben.
März 2026
bodenääbe schǜttle
Ääbe für «eben, flach», aber auch für «gleich, gleichmässig» ist nichts Aussergewöhnliches im Schweizerdeutschen. Im grossen Idiotikon wird dies verstärkt als topfääbe, tällerääbe oder in Luzern s Chind isch weltääbe «in für die Welt richtiger Lage, gesund». Der Sensler Dichter Peter Boschung hat auch von blattiääbe geschrieben. Neben der Idiotikonform dem Bode z ääbe «in gleicher Flucht wie der Boden» ist auch bodenääbe für «topfeben; in Bodenhöhe» vom Fränkischen bis ins Bünderland belegt. Nochmals Peter Boschung: «Iim het de Vater ging sälber ds Haar apghüwe, ging bodenääbe, mit amana Maschynnli, wa ggrùùpft het.» Noch spezieller ist die daraus entstandene Wendung bodenääbe schǜttle. Also «mit viel Schütteln bodengleich machen»: Di Hǜtta settischù bodenääbe schǜttle für abreissen.
Februar 2026
Egi, an Egi haa
Das Wort Egi allein braucht längst niemand mehr. In der Redensart an Egi haa oder in Egi haa kennen es ältere Senslerinnen und Sensler noch; ursprünglich war es auch im Bernbiet bekannt. Althochdeutsch egi, egiso, mittelhochdeutsch und altenglisch ege bedeuteten «Furcht, Schrecken». Der Begriff blieb in der Deutschschweiz bis in neuere Zeit als Egi «Zucht, Ordnung». Bei der Redensart an Egi haa heisst Egi aber «Druck, Gegengewicht, Widerstand». Das Idiotikon erklärt: «Aus dem Begriff der Ordnung entwickelt sich der des Gleichgewichtes mit Übertragung von Geistigem auf Sinnliches.» Man kann einen Wagen, ein Heufuder spöre oder an Egi haa oder einem Tier oder Menschen mit Worten entgegenhalten. Schliesslich kann auch eine natürliche Begebenheit oder eine Krankheit Widerstand leisten: de Schnee het ging no tou an Egi.
Januar 2026
Pärdi & Pùffet
Die Nähe des Senslerdeutschen zur alten frankoprovenzalischen Sprache – die als regionaler Dialekt «Patois» bekannt ist – zeigt sich in alten Wörtern, die über die Sprachgrenze zu uns gesprungen sind. Ältere Leute kennen vielleicht noch den emotionalen Ausruf pärdi! Man braucht ihn voller Erstaunen, zur Zustimmung oder als Gleichgültigkeit: ebe pärdi! Er kommt ursprünglich von französisch pardieu, pardi für «wahrhaftig!» und lautet auf Patois pèrdji. Auch das schöne Pùffet oder Pùfett «Kleider- oder Küchenschrank» im Sensler Museum findet hier seinen Ursprung. Patois boufè hiess nämlich nicht nur «Buffet», wie wir es sonst kennen, sondern vor allem «Schrank». Die Aussprache des geschärften -f- und des -t am Schluss kommt von der welschen Schreibung buffet.
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2025 - Wort des Monats
Poppeli-(Wiize) | sich plöffe und es sich waage | usistüdele |
anandernaa | Hùndsverlocheta | karisiere | Glögglifrösch | Fynöggeli | Lüe | Pǜschelibiire | as mittlersch Böuchli | fygureetle
2024 - Wort des Monats
Piita, Piiti | zǜgle | Rùndùmeli | Tachbett | Chnächtetroog ù Mùmiera | Jùggerschgott ù Höugetrooscht | Stööremetzger, Chacheli-Ringger | leje, Lej gää | Rüa | Hiimwee, hiimelig, Hiimweekomprässer | Pajass | Taafeli
2023 - Wort des Monats
Bock, Böckli | Chläbtanta, Chläbonkù | Poläxli, Polätz | Schǜpfa | Ùùrscheli Ùùssi | kùtteret | Bolz, Bouz | Chränzli, Chränzlitochter | Gginggi, Gginggitschùggù | Chǜrbs Chǜrpscha | Wintersch |
2022 - Wort des Monats
peetle | Zaaggi | ǜü | Im Leerersch Hùnn | hiisraamig | naarisch |
Chreezli | ging | Frigor, Chüelschrank | struppiert, gstruppiert | chǜrchle | Byssguyy
2021 - Wort des Monats
Ggùggelistùùrz | Asch baud uus! |
Kein Ärger mit Ärgera | Pittela, Pitteli |
Z Bäärg | Vacherin | iis z Cheeret ùm | Galterental/Gottéron | stüe | hinacht und nächti | Brätzele und Tradle | fryggle, tschäggeret
2020 - Wort des Monats
aajele, ääijele | Rään ù Räänboge | pyschle und bysle | Bese oder Bääse | Zytröösli | Tschäppù | Flegli, Flaag, Flagwärch | wy liecht, vilicht |
Sägessa – Seisa | Tschǜggeli | Gǜferschthee
KONTAKT & STANDORT
Sensler Museum
Kirchweg 2
1712 Tafers
T +41 (0)79 487 57 75
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Anfahrtsplan
ÖFFNUNGSZEITEN
Donnerstag | Samstag | Sonntag
14.00 Uhr bis 17.00 Uhr
EINTRITT
CHF 8.00 | Kinder bis und mit 16 Jahre und Schulklassen gratis.
FÜHRUNGEN
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TRAUUNGEN
Museum T +41 (0)79 487 57 75
Zivilstandesamt T +41 (0)26 305 14 17